Die Vorgeschichte

Rektoratschule Büren 1872 - 1935

Die Errichtung der Lehrerseminare in Büren und Paderborn hatten für den ländlichen Raum zur Folge, daß sich um 1870 die Leistungen in der Volksschule erheblich steigerten. Man erkannte den Wert einer Weiterbildung über die Volksschule hinaus. Eine Höhere Schule besuchen, hieß für viele Schüler, die Verkehrswidrigkeit des Kreises Büren in Kauf zu nehmen oder in Internaten und Privatpensionen zu wohnen. Nur wenige Eltern konnten Ihren Kindern eine solch kostspielige Ausbildung bezahlen. Deswegen gründete die Stadt Büren 1872 die erste Rektoratschule im Kreise. Solche Schulen bereiteten die Jungen auf eine der unteren, meist aber mittl. Klassen einer Höheren Schule vor. Die Schulbildung übernahm Rektor Spanke, ein geistlicher Herr, der die pädagogischen und finanziellen Angelegenheiten in einem Kuratorium regelte, das die Stadt Büren vertrat. Die Kosten für den Schulbetrieb wurden hauptsächlich durch Schulgeld, Zuschüsse der Gemeinde und des Landes aufgebracht. Der Schulleitung standen in der Pionierzeit der Rektoratschule zwei Hilfsleherer zur Verfügung. In zwei Räumen der Gastwirtschaft Meyer wurden 32 Jungen in folgenden Fächern unterrichtet: Religion, Latein, Französisch (ab Quarta), Griechisch (ab Untertertia), Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Naturgeschichte, Naturlehre, Turnen, Zeichnen, Singen, Handschrift.

1883 ließ sich Rektor Spanke versetzen. Sein Nachfolger wurde Rektor Kropp. 1885 besuchten nur 21 Schüler die Rektoratschule, die mittlerweile ein eigenes Schulgebäude mit zwei Lehrerwohnungen bezogen hatte. Nach Verfassung und Lehrplan zählten die Rektoratschulen zu den Höheren Schulen. Schulrechtlich gehörten sie jedoch zu den mittleren Schulen und unterstanden der Dienstaufsicht des Regierungspräsidenten.
Nach statistischen Quellen der Jahre 1904 - 1908 versuchte etwa die Hälfte der Abgänger, auf der Höheren Schule die mittlere Reife oder das Abitur zu schaffen, während die andere Hälfte einen praktischen Beruf ergriff.

Im Jahre 1906 baute die Stadt Büren an der Burgstraße eine neue Rektoratschule, die heute als Rathaus dient. Die Schülerzahl wuchs in diesem Jahr auf 67 Schüler. 1909 gestattete die Regierung die Errichtung der fünften Klasse, der Obertertia. Verständlicherweise strebten Schulleitung und Stadt Büren danach, ihren Schülern auch gültige Abgangszeugnisse ausstellen zu können, die aber erst im Jahre 1909 vom Unterrichtsminister genehmigt wurden. An der Abschlußprüfung durften laut Bestimmung sich nur Schüler beteiligen, die beabsichtigten, in eine Höhere Lehranstalt überzutreten. Die Leitung der
 Prüfung übernahm der Direktor einer Höheren Schule, nicht der Leiter der Rektoratschule. 

Das Königliche Provinzial - Schulkollegium unterstellte die Bürener Rektoratschule dem Gymnasium in Brilon. Der Gymnasialdirektor in Brilon führte die schultechnische Aufsicht, d.H., die Schüler konnten in ihrer vertrauten Umgebung unter seinem Vorsitz die Prüfungen ablegen. Die mündliche Prüfung hatte sich auf alle wissenschaftlichen Fächer zu erstrecken. Als Zeichen der Versetzung trugen die Rektoratschüler bunte Mützen. jede Klasse hatte eine andere Farbe. Zu Ostern waren die Schüler stolz, wenn sie die Versetzung geschafft und eine andere Mütze bekommen hatten. - 1913 verstarb Rektor Kropp -



Während des 1. Welkrieges ertönte der Ruf nach der " Nationalen Einheitsschule". In einem Artikel der Kölnischen Volkszeitung vom 23. Februar 1916 wird aber energisch für die Beibehaltung der Mittel- und Rektoratschule argumentiert, selbst wenn sie "Standesschulen" genannt werden könnten. "Denn sie haben sich für manche Bevölkerungskreise, namentlich des Handwerks und des gewerblichen Mittelstandes, als zweckmäßig erwiesen und helfen einem dringenden Bedürfnis ab. Sie sind Bildungsstätten stiller Arbeit, in ihnen schlummern Talente, deren Förderung wir uns im staatlichen Interesse weit mehr wie bisher unbedingt angelegen sein müssen."

In den Kriegsjahren suchte der Schulleiter Dr. Riegler in Zeitungsanzeigen oft vergeblich geeigneten pädagogischen Ersatz für Lehrer, die zum Kriegsdienst einberufen waren (vgl. nebenstehende Abb.).

1919 übernahm Rektor Haselhorst die Leitung der Rektoratschule. Um den finanziellen und wirtschaftlichen Zustand der Städte und Gemeinden war es nach dem 1. Weltkrieg schlecht bestellt. Wegen der enorm gestiegenen Unterhaltskosten verlangten einige Bevölkerungskreise der Stadt Büren die Rektoratschule zu schließen. Als 1922 die Aufbauschule den Unterricht aufnahm, planten auch Kuratorium und Lehrersystem die Auflösung, die aber die Elternschaft energisch und erfolgreich ablehnte.

Die finanzielle Notlage mancher Rektoratschulen im Inflationsjahr 1923 veranlaßte einige Städte, das Schulgeld auswärtiger Schüler in Naturalien entrichten zu lassen. "Dreieinhalb Zentner Roggen oder der Mitte des ersten Vierteljahresmonats an der Dortmunder Getreidebörse ermittelte Geldpreis für diese Roggenmenge" wurde als Preis erhoben.

Mit der Rentenmark als neuen Währung wurde das Schulgeldproblem zunächst nicht mehr erwähnt. Die Schülerzahl stieg 1924 auf 133 an, darunter befanden sich 43 Mädchen, denen der Besuch der Rektoratschule auf Antrag der Bürener Elternschaft erstmalig gestattet wurde. Als Begründung für die Aufnahme von Mädchen an der Rektoratschule in Büren wurde von den Eltern hauptsächlich die ungünstige geographische Lage von Büren zu den Nachbarstädten Paderborn und Lippstadt genannt. In der Begründung heißt es weiter: "Die jungen Mädchen sind auf täglichen Bahnverkehr angewiesen. Mit diesem Bahnverkehr sind erhebliche sittliche und körperliche Schädigungen verbunden. Wir wissen sehr wohl, daß weite Kreise gegen Gemeinschaftserziehung sich erklären, möchten jedoch betonen, daß im anderen Falle die Schäden für die Kinder bei auswärtigem Besuch der Schule viel größer sind als bei einem Besuch der Rektoratschule, wo die Kinder einmal unter den Augen des geistlichen Leiters und zum anderen unter den Augen der Eltern ausgebildet werden und heranwachsen."

Mit der Weltwirtschaftskrise 1929/30 stellten sich Elternschaft und Kuratorium der Rektoratschule erneut die leidige Schulgeldfrage. Viele Eltern schickten aus materieller und finanzieller Not ihre Kinder nicht mehr zur Rektoratschule. Die Schülerzahlen gingen stetig bergab. Hinzu kam das Reichsgesetz vom 7. April 1933 zur Vereinfachung der Verwaltung: "Lehrpersonen, die noch nicht dienstunfähig sind, können in den Ruhestand versetzt werden, um Schuleinrichtungen abzubauen oder zu verkleinern." 1933 mußte bei einer Gesamtschülerzahl von 33 die Obertertia abgebaut werden. 1934 beschloß Kuratorium und Elternschaft der Stadt Büren einstimmig die Auflösung der Rektoratschule. Die Klassen Quinta (6 Schüler) und Quarta (12 Schüler) wurden noch bis Ostern 1935 unterrichtet. Am 31. März 1935 hob der Regierungspräsident Minden die Bürener Rektoratschule endgültig auf. Wer in Büren eine Höhere Schule besuchen wollte, ging zur Aufbauschule. Dem Beispiel der Gemeinde Fürstenberg konnte man in Büren nicht folgen, aus der damaligen Rektoratschule eine Realschule entstehen zu lassen. Die Notwendigkeit einer öffentlichen mittleren Schule wurde in den 60-er Jahren von der Stadt Büren wieder erkannt.

 

Die städtische Realschule Büren

Am 25.08.1969 nahm die öffentliche Realschule für Jungen und Mädchen ihren Unterricht auf. Sie sollte zweizügig geführt werden und ihren Platz in einem Schulzentrum zusammen mit der Hauptschule finden. Dieses Schulzentrum war jedoch erst im Bau und entstand inzwischen am Rande der Bürener Kernstadt auf dem ehemaligen Besitz der Familie Gockel. Der Unterricht fand daher zunächst in den Räumen des Internats Moritz von Büren statt.
Nach den Sommerferien 1972 konnte dann endlich der Schulbetrieb im Schulzentrum in eigenen Räumen aufgenommen werden. In gemeinsamem Einsatz von Schulträger, Schulleitung und Kollegen wurden die bisher noch nicht erstellten Fachräume nach modernsten Gesichtspunkten eingerichtet. Die Realschule bekam ein eigenes Sprachlabor. Später folgte für Haupt- und Realschule gemeinsam die Einrichtung eines Computerraumes.
Eine Schwimm- und Sporthalle, sowie ein Sportplatz und eine Aula ergänzten die Einrichtung des Schulzentrums, das am 22.09.1973 offiziell seiner Bestimmung übergeben und feierlich eingeweiht wurde. Die gesamte Bausumme des Schulzentrums umfaßte einschließlich der Sportanlagen ca. 14 Millionen, davon entfielen auf die Realschule ca. 4 Millionen Mark.
Inzwischen war auch das Kollegium der Realschule größer geworden.
Mit dem Beginn des Schuljahres 1974/75 war der Aufbau der Realschule beendet, denn alle Jahrgänge (Klasse 5-10) wurden unterrichtet. Zum 01.08.1976 erfolgte die Einführung der Differenzierung. Seit 1984 führte die Realschule regelmäßig ein Betriebspraktikum für die 9. Klassen durch.
Die Schülerzahl der Realschule stieg bis zum Schuljahr 1979/80 auf die vorher nicht erwartete Zahl von 530 Schülern, sodaß die Schule über Jahre dreizügig geführt werden mußte. Die dadurch entstandenen räumlichen und pädagogischen Probleme wurden durch den gemeinsamen Einsatz der Kollegen zur Zufriedenheit aller Beteiligten gut gelöst.

 

Entwicklung der Städtischen Realschule Büren

Da die Schülerzahl an der Realschule in den letzten Jahren beständig gestiegen ist, fand in den Jahren 1995-97 eine umfassende bauliche Erweiterung statt.

      

   

 

Der Erweiterungsbau der Realschule kostete ca. 5 Millionen Mark. 
Seit dem Schuljahr 97 befindet sich die Realschule in diesem Erweiterungsbau.

 

      

 

   

Heinz-Nixdorf-Realschule

 In Kürze finden Sie hier alle Informationen von der Zeit nach der Umbenennung der Städtischen Realschule in Heinz-Nixdorf-Realschule bis heute, einschließlich der aktuellen Umbaumaßnahmen an und in der Sporthalle sowie Informationen zum neuen Kunstrasenplatz und dem Kleinspielfeld des DFB.